Raubsäuger
in der Natur
Füchse, Marder und Dachse erfüllen wichtige Aufgaben
Fuchs
Marderhund
Neubürger (Neozoen): unerwünscht? Die neuen Arten wie Waschbär,
Marderhund und Mink gelten als unerwünschte Neubürger und sollen
deswegen nach Meinung des Landesjagdverbandes und der Landesregierung Schleswig-Holstein
das ganze Jahr über getötet werden. Dass von diesen Arten eine Gefahr
für die Natur ausgeht, ist allerdings bisher nicht nachgewiesen.
Raubwild
gestaltet mit
Der gestaltende Einfluss von Raubwild auf Größe und Zusammensetzung
der Bestände ihrer Beutetiere wird immer noch einseitig negativ bewertet.
Sie gelten nur als „Räuber“, also als Tiere, die auf Kosten
anderer leben und somit einseitig ein negatives Image aufgedrückt bekommen
haben. Raubwild hat jedoch auch vielfältige positive Wirkungen in der
Dynamik von Lebensgemeinschaften, indem es z.B. hohe Nachwuchsraten bei häufigen
Arten abschöpft und so für Ausgleich sorgt. Der Einfluss von „Räubern“
(Gesundheitspolizisten) auf Auslesevorgänge in den Beutetierpopulationen,
der in der Entwicklungsgeschichte unserer Natur von ganz erheblicher Bedeutung
war und ist, findet noch keine Berücksichtigung in der Diskussion. Die
Rolle des Raubwildes als „Fitness-Trainer“ für andere Tierarten
wird nicht gewürdigt. Es sorgt dafür, dass sie ständig wachsam,
reaktionsschnell und gesund sind. Wer Schwäche zeigt, wird ausgelesen.
Raubwild ist daher ein unverzichtbarer Gestalter im Zusammenleben von Tierarten
und zudem kein Feind des Menschen!
Raubsäuger - die besseren Jäger Einige Raubwildarten entwickeln
erstaunliche Fähigkeiten, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen.
Füchse, Steinmarder und Waschbären haben längst neue Lebensräume,
z.B. die Städte, besiedelt. Sie erweisen sich als bewundernswerte Lebenskünstler,
die auch schon mal in der Mülltonne erfolgreich nach Nahrung suchen.
Die
Jägerschaft hat in der Vergangenheit die Möglichkeit gehabt, Raubsäuger
scharf zu bejagen, ihre Bestände zu begrenzen und die Ausbreitung zu
bremsen. Das ist nicht gelungen. Es wird auch nicht mit einer neuen und sehr
rabiaten Jagdzeitenverordnung gelingen, weil Jäger sich vielerorts von
der „Räuberbekämpfung“ abgewendet haben und manche Raubsäuger
sich mit eleganten Überlebensstrategien der Dezimierung entziehen. Wenn
die einheimischen Raubsäuger also zum einen wichtige Funktionen in unseren
Ökosystemen haben, zum anderen ihre Bestände durch Jagd und Jäger
mit vertretbaren Jagdmethoden nicht auf das von mancher Seite gewünschte
Minimum zu drücken sind, so gilt es zu hinterfragen, welchen Sinn die
verschärfte Bejagungsverordnung haben soll.
Steinmarder
Generelle Bejagung notwendig? Jäger behaupten immer wieder, dass die
Jagd auf Beutegreifer flächendeckend ein unverzichtbares „ökosystemgerechtes“
Instrument zur Schaffung eines „ökologischen Gleichgewichtes“
in der Natur sei. Außerdem diene sie zur Stützung der „Verlierer“
unter den Niederwildarten wie Hase oder Rebhuhn gegenüber den „Gewinnern“,
also den Raubsäugerarten. Es gibt jedoch viele Beispiele dafür,
dass in Gebieten, in denen Raubsäuger nicht bejagt werden, das Gefüge
der Lebensgemeinschaften erhalten bleibt. Wie sollte es auch anders sein?
Raubtiere sind nun einmal natürliche Mitglieder unserer Lebensgemeinschaften.
Sie sind nicht auf der Welt, um „Schäden“ in der Natur anzurichten.
Der Mensch hat die Bedingungen für das Zusammenleben in diesen Gemeinschaften
tiefgreifend gestört.
Die Landesregierung Schleswig-Holsteins rechtfertigt im Juli 2005 verlängerte
Jagdzeiten für Raubsäuger und besonders für die Neubürger
mit der Gefährdung der biologischen Vielfalt und der Bedrohung einheimischer
Arten. Beweise für diese Annahme stehen jedoch aus.
Verstärkte
Bejagung nicht gerechtfertigt
Die Diskussion zur Bedeutung von Raubsäugern für Wiesenvögel
und für Brutkolonien im Küstenbereich rechtfertigt nicht die Forderung
nach verstärkten jagdlichen Eingriffen. Natürlich erbeuten Raubsäuger
Gelege und Jungvögel, zumal in kleinräumigen Reservaten mit hohen
Brutdichten inmitten ausgeräumter Landschaften. Das mag für die
Betreuer von Schutzgebieten schmerzlich sein. Bei genauerer Betrachtung sollte
jedoch klar werden, dass tiefgreifende und vielschichtige, vom Menschen verursachte
Lebensraumveränderungen und nicht die Raubsäuger die primäre
Ursache für Bestandeseinbrüche bei den Vögeln sind. Diese Probleme
können eben nicht durch fortwährendes Töten von Raubsäugern
beseitigt werden, sondern allein durch Lebensraumgestaltung. An den Beispielen
von Birkwild und Kiebitz in Norddeutschland oder der Großtrappe in Brandenburg
werden diese Zusammenhänge besonders deutlich. Diese Arten konnten weder
durch die Einrichtung von relativ kleinräumigen Schutzgebieten noch durch
Jagd auf alle möglichen Beutegreifer in größeren und stabilen
Beständen erhalten werden.
Mein Mann und ich waren auf so einer Veranstaltung von Jägern, die ein
Massaker unter Füchsen anrichteten.
Wir führten auch ehrliche Gespräche mit einigen, die unumwunden
zugaben, dass es einfach nur Spaß macht Füchse zu jagen. Sie gaben
zu, zu wissen, dass die leer geschossenen Reviere im folgenden Jahr sowieso
wieder besetzt werden….
Ich frage Sie hier an dieser Stelle: Wie können Sie es mit Ihrem Gewissen
vereinbaren, über Leben und Tod zu entscheiden? Mir fehlen die Worte,
Bianka Pelli – Borunski.