Tiere im Ausland !!!

Grenzen
sind menschengemacht, Tiere kennen
diese nicht und
sind nicht dafür verantwortlich!
Tiere im Ausland
Wenn wir in anderen Staaten Tierschutzarbeit leisten, übernehmen wir
eine Verantwortung, die sonst kaum jemand bereit ist zu tragen. In vielen
Ländern haben Tiere überhaupt keine Lobby und Hunde und Katzen den
Status, den hierzulande vielleicht wildlebende Ratten haben. Es ist dort kein
Delikt, streunende Katzen und Hunde zu vergiften, einen Hund jahrelang an
einer kurzen Kette am Straßenrand anzubinden oder ihn dort auch einfach
irgendwann zu vergessen und verhungern zu lassen. Das Töten von Welpen
durch Erschlagen oder das Anzünden von mit Benzin übergossenen Hunden
zur Belustigung wird nicht geahndet. Einen Streuner vor der Haustür zu
vertreiben, indem man ihn mit Säure oder kochendem Wasser übergießt
schockt kaum jemanden und kommt häufig vor.
Was wir in diesen Ländern tun, würde ohne uns nicht getan, denn
die Bevölkerung ist noch wenig sensibilisiert für das Elend der
Tiere. Wir helfen nicht dem Land, seine Probleme zu lösen, denn Tierleid
wird dort nicht als Problem angesehen; wir helfen einfach nur den Tieren.
Neue Medien
Der deutsche Tierschutz war lange Zeit eine Arbeit, die unzählige kleinere
Initiativen unabhängig voneinander leisteten. Jeder Verein und viele
Privatpersonen setzten sich in ihrer heimatlichen Region oder auch an bestimmten
Orten im Ausland für in Not geratene Tiere ein. Unser technischer Fortschritt
und insbesondere, die Nutzung des Internets machen heute eine umfassende Kooperation
vieler Tierschützer im In- und Ausland möglich. Einige Tierschutzorganisationen
haben damit begonnen, die Möglichkeiten, die uns das Internet bietet,
intensiv zu nutzen. Es entsteht ein deutschlandweites Netzwerk von Tierschützern.
Auf diesem Weg ist es jetzt der Öffentlichkeit möglich, sich jederzeit
ein aktuelles Bild von der nationalen und internationalen Situation des Tierschutzes
zu verschaffen. Auf dieser Grundlage können wir uns gegenseitig helfen,
Ressourcen da einzusetzen, wo sie nötig sind und vor allem auch Not leidenden
Tieren, - egal ob deutscher oder anderer Herkunft – schneller zu einem
würdigen Leben zu verhelfen.
Die Nutzung der neuen Medien und des technischen Fortschritts hat es endlich
möglich gemacht, Teile des Auslandstierschutzes und des deutschen Tierschutzes
zu einer Kooperationsgemeinschaft zusammenzuschließen von der alle Beteiligten
und ganz besonders die Tiere profitieren. Denn: Tierschutz beginnt immer vor
der eigenen Haustür und endet nicht an Staatengrenzen
Tieren helfen - wo auch immer
Die meisten von Deutschen organisierten Auslandstierschutzvereine, haben ihre
Hilfeleistung selbstverständlich nicht auf die Not leidenden Tiere im
Ausland begrenzt. Es wäre ja auch unvorstellbar, dass ein Mensch, der
sich gegen das Elend der Tiere beispielsweise auf einer Mittelmeerinsel einsetzt,
ein in Not geratenes Tier in seiner eigenen Stadt abweist. Die so genannten
„Auslandstierschützer“ sind meistens auch in mindestens einem
Tierschutzverein in Deutschland aktiv.
So haben sich zum Beispiel auch sehr viele Mitarbeiter der Auslands-Tierschutzvereine
an den Aktionen beteiligt, die 2002 vom Hochwasser bedrohten Tiere in Notunterkünften,
Tierheimen und privaten Pflegestellen unterzubringen.
Die Hauptaufgabe unserer Tierschutzarbeit im Ausland besteht darin, die dortigen
Allgemeinbedingungen für die Tiere zu verbessern. Deshalb initiieren
wir vor Ort Aufklärungskampagnen und vor allem umfassende Kastrationsaktionen.
Die Einrichtung von Tierheimen dient dazu, solche Tiere aufzunehmen, die selbständig
nicht mehr in ihrem Streunerleben zurechtkommen oder die aus qualvoller Haltung
befreit wurden. Solche Tiere erhalten medizinische Versorgung und es wird
dann versucht, ein neues Zuhause für sie zu finden. Die Vermittlung geschieht
dann überwiegend in das Heimatland der jeweiligen Tierschützer.
Relativ gesunde Streuner werden nur zum Kastrieren eingefangen und dann wieder
in ihrer gewohnten Umgebung ausgesetzt.
Der Export von Katzen und Hunden nach Deutschland ist der geringste Teil der
Arbeit im Auslandstierschutz. Es werden von seriösen Vereinen auch nur
eindeutig vermittelbare und gesunde Tiere nach Deutschland gebracht.
Tiere helfen Tieren
Die deutschen Tierheime sind – besonders nach der Einführung der
Hundeverordnung – voll von großen Hunden, für die kaum eine
Chance auf eine Vermittlung in ein neues Zuhause besteht. Die Anfrage: “Haben
Sie auch kleine Hunde?“ muss in der Regel verneint werden. Wir erhalten
täglich Anfragen nach kleinen und mittelgroßen Hunden aus dem Ausland.
Sehr oft wird von den Interessenten betont, dass sie schon lange nach einem
Hund suchen, aber in ihren örtlichen Tierheimen nur große Hunde
zu vermitteln sind.
Einige deutsche Tierheime sind regelmäßig bereit, freie Plätze
für kleinere Hunde aus dem Ausland zur Verfügung zu stellen, und
haben eine sehr erfreuliche Entwicklung beobachten können:
Durch das „Angebot“ von kleineren Hunden kommen wieder viel mehr
Besucher in die Tierheime, die dabei natürlich auch in die Boxen der
größeren Hunde schauen. Dabei hat sich schon so mancher Kleinhundinteressent
in einen Großen verliebt und ihn bei sich aufgenommen. Moderne Tierheimbetriebe
haben schnell herausgefunden, dass ein starkes Interesse besteht, möglichst
viele verschiedene Hunde im Tierheim anzusehen und dass die so genannten schwer
vermittelbaren direkt von einer stärkeren Besucherfrequenz profitieren.
Dieser Erfolg bestärkt uns darin, weiterhin eine wachsende Kooperation
mit deutschen Tierschutzinitiativen anzustreben.
Welpen
Einer der grauenhaftesten Aspekte des Auslandstierschutzes ist das maßlose
Welpenelend. Trotz der vielen großen Kastrationsaktionen werden jedes
Jahr unzählige Welpen geboren, die nichts als Hunger, Elend und Qual
erwartet. Sehr häufig werden Hunde absichtlich vermehrt, damit Kinder
die Babys als lebendige Puppen zum Spielen benutzen können. Werden die
Babys älter und bekommen spitze Zähnchen oder werden aufgrund von
Mangelernährung und Stress krank, werden sie ausgesetzt oder auf schockierende
Weise zu Tode gebracht. Noch lebensfähige Welpen werden auf Grund ihrer
Schwäche häufig von Krankheiten befallen und es gehört zum
bitteren Auslands-Tierheimalltag, Welpen zu euthanasieren, die womöglich
eine Überlebenschance hätten, die ihnen aber hier vor Ort nicht
geboten werden kann.
Die Vermittlung von Welpen aus dem Ausland ist eine sehr kritische Sache.
Natürlich möchten die Interessenten gern einen ganz jungen Hund
und es stehen jederzeit Hunderte von Tierbabys in Auslandstierheimen zur Auswahl.
Für jeden dieser Welpen bedeutet eine Vermittlung nach Deutschland, dass
er eine Überlebenschance erhält.
Leider hat die Erfahrung gezeigt, dass viele Welpen im Alter zwischen acht
und zwölf Wochen die Reise ins rettende Deutschland nicht überstehen.
Zwar kommen die Kleinen lebend und in scheinbar gutem Gesundheitszustand an,
werden aber dann innerhalb weniger Tage in ihrem neuen Zuhause krank und sterben.
Zu wenige Tierschützer erkennen, dass dies an der schwierigen Immunlage
so junger Tiere liegt. Der enorme Stress der Reise und der neuen Umgebung
schwächt die Abwehrkräfte der kleinen Wesen und trotz erfolgter
Impfung infizieren sich die Welpenkurz nach der Ankunft im neuen Heim mit
Krankheitskeimen, denen ihr geschwächte Organismus nicht wiederstehen
kann.
Die einzige Möglichkeit, einen Welpen aus dem Ausland sicher und gesund
in ein deutsches Zuhause zu vermitteln ist, das Tier im Alter von ca. 12 Wochen
zu impfen (die Einreisebestimmungen verpflichten zur Tollwut-Impfung) und
dann noch mindestens vier bis sechs Wochen abzuwarten, ob die Impfung gut
überstanden wird. Erst dann, im Alter von etwa vier Monaten ist eine
Ausreise ratsam. Leider verfügen die allermeisten Auslandstierheime nicht
über die nötigen Räumlichkeiten und Ausstattungen, junge Hunde
so unterzubringen, dass sie gesund vier Monate alt werden können. Trotzdem
ist es für die Tiere und die neuen Familien der Tiere eine unzumutbare
Tragödie, ein Hundebaby ausreisen zu lassen, das dann nach kurzer Zeit
erkrankt und stirbt. Weil Tierschützer, die es einfach nicht übers
Herz bringen, diese kleinen Würmer zu euthanasieren oder sterben zu sehen,
immer wieder ganz junge Welpen verschicken, werden dem Auslandstierschutz
fortwährend Vorwürfe gemacht, Krankheiten einzuschleppen, oder gar
schnelles Geld mit kranken Welpen zu machen.
Tausende von Hunden sitzen in deutschen Tierheimen!
Dieses Argument wird oft und gern herangezogen, wenn es um die Einreise von
Hunden aus dem „Ausland“ (wir leben in den Zeiten der EU!) geht.
Die scheinbare Logik, die dahinter steht, geht davon aus, dass Menschen, die
einen Auslandshund aufnehmen, stattdessen einen „deutschen“ Tierheimhund
nehmen würden, wenn kein Auslandshund im Angebot wäre.
Ist das so? Warum nehmen so viele Familien Hunde aus dem Süden auf? Weil
sie billiger sind? Nein, in der Regel sind sie sogar etwas teurer, weil die
Kosten, die dem vermittelnden Tierschutzverein entstehen, höher sind.
Was ist „besser“ an Auslandshunden? Ganz klar: Sie sind in der
Regel sehr verträglich mit Artgenossen, sehr gut sozialisiert und neigen
von daher nicht zu Aggressionen. Außerdem achten seriöse Auslands-Tierschutzvereine
darauf, dass die nach Deutschland einreisenden Hunde gut vermittelbar sind.
„Gut vermittelbar“ bedeutet: jung, eher klein, verträglich
und gesund. Solche Hunde findet man nur selten unter den „deutschen“
Tierheimhunden, denn auch sie sind schnell vermittelt.
Die „Tausende von Hunden“ in den deutschen Tierheimen, die schlecht
oder gar nicht vermittelbar sind, sind meist große Hunde mit Verhaltensproblemen.
Wer nimmt denn den acht Jahre alten Schäferhund, der sein Zuhause all
zu vehement bewacht?! Wenn eine Familie mit Kindern kommt und einen Hund haben
möchte, dann kann man nicht sagen: "Nehmen Sie mal lieber hier unseren
deutschen Problemhund, erst müssen die Deutschen weg." Einen größeren
Hund mit einem Verhaltensproblem aufzunehmen, kann sich kaum ein durchschnittlicher
Hundehalter leisten. Der alte Hasso mit dem übersteigerten Territorialverhalten
hat also dadurch, dass es Auslandshunde in der Vermittlung gibt, keine schlechteren
Chancen, ein neues Zuhause zu finden. Sein Problem ist, dass er von seinen
ehemaligen Haltern verdorben wurde. Mit Hasso müsste man lange therapeutisch
arbeiten und er müsste irgendwo wohnen, wo z.B. keine Kinder zu Besuch
kommen. Es gibt unzählige „Hassos“ in den deutschen Tierheimen.
Dann gibt es noch aber- hunderte „Kampfhunde“ in den Tierheim-Boxen:
nette, liebe, hübsche Hunde, die das Pech haben, wie ein Stafford auszusehen.
Keine Chance! Seit der Kampfhundhysterie sind nur noch sehr wenige Personen
bereit, einen solchen Hund zu halten, sich an jeder Ecke dafür rechtfertigen
zu müssen und immerzu beweisen und beteuern zu müssen, dass dieser
Hund nicht gefährlich ist.
Der Grund, warum Hasso, der Kampfhund und der bissige Dackel kein neues Zuhause
finden, hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, dass es Hunde aus dem
Ausland gibt. Um die Probleme der Tierheim-Dauerinsassen zu lösen, werden
ganz andere Ansätze benötigt und an diesen Ansätzen arbeiten
auch „Auslandstierschützer“, denn die sind fast alle gleichzeitig
„Inlandstierschützer“.
Die fortschrittlichen deutschen Tierheime, die wirklich Tierschutz betreiben
und Hunden in eine bessere Zukunft helfen wollen, arbeiten schon längst
mit den seriösen Auslandstierschutzvereinen zusammen. Und zwar mit Erfolg
- auch und besonders für ihre deutschen Dauergäste. Denn es ist
ja auch so, dass die schnell vermittelten Südhunde über die Vermittlungsspenden
das Futter und die Pflege der schwer Vermittelbaren sichern. Die Kosten, die
einem Tierheim entstehen, werden nämlich bei weitem nicht durch das Geld
der Steuerzahler abgedeckt. Gute Tierheime, die gern von Interessenten besucht
werden und wo die Tiere gut untergebracht sind, es warm, trocken und relativ
ruhig haben, - hinter diesen Tierheimen steht immer ein fähiger Verein,
der über Spenden die Kosten deckt.
Dass die Tierheime mit deutschen Hunden voll sitzen liegt nicht daran, dass
zu viele ausländische Hunde vermittelt werden, sondern daran, wie unverantwortliche
Hundehalter ihre Hunde verderben und vernachlässigen. Das Problem der
deutschen Tierheimhunde lässt sich nicht dadurch lösen, Importe
zu stoppen.
Natürlich löst der Export von Hunden kein Problem im Ausland. Tierschützer,
die nur für die Ausreise von Hunden aus dem Süden sorgen, ändern
nichts an den Verhältnissen im Land. Es ist wesentlich effektiver, vor
Ort etwas zu ändern und nur die absoluten Notfälle nach Deutschland
zu bringen, die auch eine gute Vermittlungschance haben. Solche Tierschutzkonzepte
mit gut organisierten Kastrationsaktionen und Aufklärungskampagnen werden
schon von dem Förderverein Arche Noah Kreta e.V. und einer Reihe anderer
Vereine erfolgreich umgesetzt.
• Auslandstierschutz kann ein Gewinn für alle sein: Für den
Hund, der aus einer qualvollen Lebenssituation in ein liebevolles Zuhause
kommt,
• für die Familie, die einen vierbeinigen Freund sucht,
• für „Hasso“, dem so weiterhin Futter und Unterkunft
gesichert wird , bis er vielleicht doch jemanden findet, der ihn haben möchte
• und für das Verständnis der Öffentlichkeit für
seriöse Tierschutzarbeit, die nicht vor den deutschen Grenzen Halt macht.
•
Auch wir sind das „Ausland“
Als nach dem schrecklichen Vorfall des durch einen Hund getöteten Volkan die Kampfhundehysterie ausbrach und die LHVO (Landeshundeverordnung) in Kraft trat, gab es zum Glück viele Hilfsangebote von Tierschutzorganisationen aus anderen Ländern (USA, Großbritannien, Österreich usw.), die sich bereit erklärt haben, einige unserer so genannten „Listenhunde“ aufzunehmen und zu vermitteln, da sie in Deutschland nie wieder die Chance auf ein Zuhause gehabt hätten, ihnen oft sogar das Einschläfern drohte. Es wurde eine regelrechte "Luftbrücke" in die USA eingerichtet und viele als Kampfhunde abgestempelte liebe Tiere haben dadurch noch die Chance erhalten, ein Leben als ganz normaler Familienhund zu führen, was ihnen in Deutschland verwehrt geblieben wäre. Viele unserer Nothunde bekamen auf diese Art doch noch einen guten Platz, obwohl es sich dabei sicherlich auch in anderen Ländern nicht gerade um leicht vermittelbare Hunde handelte. Hier wurde Tierschutz auch nicht an Staatsgrenzen festgemacht.
Grenzen
sind menschengemacht, Tiere kennen diese nicht und
sind nicht dafür verantwortlich.
10.02.03 Claudia Grothus
Aktualisiert von Claudia Grothus am 09. Juli 2004